The Radiators

Es ist ein bisschen wie dieses alte Sex Pistols-Ding. Plötzlich entdecken alle möglichen Leute die beklagenswerterweise nicht mehr bestehenden Radiators, und beharren darauf, dass sie alle dabeigewesen waren. “Wenn die Masse von Leuten, die Jahre später darauf Anspruch erheben, sie wären dabeigewesen, zu der Zeit dagewesen wären, wie hätten jede Nacht Unmengen von Zuschauern gehabt”, sagt ein amüsierter Philip Chevron, ehemaliger Radiator und derzeitiger Pogue.
“Radio One spielte unsere Platten nicht, die Leute kamen nicht, um uns zu sehen, und die Leute kauften nicht die Alben. Aber die Leute, die die Radiators mochten, mochten sie inbrünstig und treu. Wir hatten Unmengen von riesiger Unterstützung in Irland.”
Die Radiators lösten sich vor 10 Jahren auf, nachdem sie von Dublin nach London gezogen waren, sie zerbrachen, “behandelt” von der Musikindustrie und unfähig, jemanden zu finden, der in ihre “fesselnde Chemie” passt, als der Bassist Mark sie verliess. Sie hinterliessen, wie auch immer, ein aussergewöhnliches Geschenk an ihre Nachwelt.
“Ghostown”, das Album, dass ich mehr als jedes andere in der Welt geschrieben haben möchte, wird gesehen als ein unentdeckter Klassiker, aber Chevron ist typisch bescheiden.
“Einige Leute haben ganz leidenschaftliche Gefühle darüber”, gibt er zu. “Wir waren nicht sicher, ob wir einen Klassiker oder ein Meisterstück hatten, als wir es aufnahmen.”
“Wir hofften, dass wir etwas richtiges hinkriegen, etwas, dass für uns einzigartig ist. Wir fühlten intuitiv, dass wir das vielleicht erreichen, und der Gesamteindruck des Albums, als wir es später hörten, war sehr, sehr befriedigend. Nachdem ich das gesagt habe, wäre ich ein Dummkopf, wenn ich sagen würde, dass da keine Dinge wären, die ich nun nicht mehr ändern würde.”
“Was ich zu der Zeit daran mochte, und was ich immer noch daran mag, ist, glaube ich, dass es eine besonders irische Platte ist, übermittelt auf eine zeitgenössische Art. Niemand hatte das vorher getan.”
Auf “Ghostown” erzählen die Texte vom Aufwachsen in einem schrecklichen, grauen, unterdrückendem Dublin, während die Musik im Kontrast sehr melodiös ist, glänzender Pop-Rock, mit Ausnahme der “filmischen” Dramen von “Lootin In The Town”, “Faithful Departed” und “Dead The Beast, Dead The Poison”.
“Indem wir eine Pop-Platte machten, versuchten wir, den Kontrast darzulegen, der in einer grauen Stadt existiert, wo man alle historischen, politischen und sozialen Leiden ertragen muss, und das es da eine Flucht in die Musik gibt. Darum beginnt das Album mit “Johnny Jukebox”. Der Gesamteindruck des Albums ist auf eine Art engbrüstig, es ist teilweise völlig klaustrophobisch, und ausserdem, das war, um das Gefühl von Dublin zu erläutern. Es scheint eben niemals aufzuhören.”
Das jetzt wiederveröffentlichte Album enthält zwei neue Songs, beide beziehend auf Aspekte, von den Chevron der Meinung ist, sie sollten ein Teil des Original-Albums gewesen sein.
“Under Clery´s Clock” ist, worauf Chevron besteht, ein “homosexueller Song” (“Schwulsein beinhaltet eine Art von Befreiung, die es zu der Zeit in Dublin nicht gab”), gefolgt von dem Original-LP-Stück “Let´s Talk About The Weather”, dass seine homosexuelle Bedeutung hinter einer Bildersprache und Zweideutigkeit verbirgt.
“In den vergangenen 10 Jahren bin ich mit meiner Sexualität in Einklang gekommen”, sagt Chevron. “Der neue Song ist immer noch geschrieben, vom Standpunkt von jemandem, der 19 Jahre alt ist und in Dublin wohnt, wo ein junger homosexueller Kerl noch nicht einmal den Luxus hat, sich zu behaupten.
“Plura Belle” ist über den Fluss Liffey. “Als wir das Album geschrieben haben, kam mir die Vorstellung ins Gedächtnis, dass der Fluss unerbittlich durch all die politischen und sozialen Umbrüche der letzten 1000 Jahre geflossen ist. Sie hat alles gesehen, sie weiss mehr als all diese Bastarde...und schliesslich hat sie es bis auf die Platte geschafft.”

Entnommen dem Melody Maker vom 25. März 1989